Die Geschichte des ehemals schnellsten Segelboots der Welt

Die Geschichte des ehemals schnellsten Segelboots der Welt

Einst brach sie alle Geschwindigkeitsrekorde, doch zuletzt dümpelte sie nur noch vor sich hin. Die Rede ist von der Hydroptère. Ihre Segler hatten sie im Stich gelassen und nun lag sie an einer 50 Dollar-Mooring vor Hawaii. Als die Gebühren nicht mehr bezahlt wurden, droht das legendäre Boot verschrottet zu werden. Doch bei einer Auktion erzielte sie einen Verkaufspreis von 8.500 Dollar und wurde gerettet. Das Boot, das einst alle Geschwindigkeitsrekorde gebrochen hatte, darf nun doch wieder auf eine gute Zukunft hoffen.

Besitzer der Hydroptère war Alain Thébault. Er sorgte dafür, dass sich der Segelsport in neue Dimensionen aufmachte. Dafür verantwortlich war das Boot, das in Sachen Foiling neue Wege wies. Das futuristische Boot leistete lange Zeit erstaunliches. So schaffte es im Jahr 2009 auf 500 Metern den Rekord von 55 Knoten. Bis dahin erschien es vielen Experten unmöglich ein 24 Meter langes und sieben Tonnen schweres Boot überhaupt auf dieses Tempo zu beschleunigen. Alain Thébault wollte jedoch noch mehr. Doch eine Pechsträhne sorgte dafür, dass das legendäre Segelschiff in Hawaii endete.

Vergessen in Hawaii

Die Verschrottung wäre zu teuer gewesen, schließlich hätte man das Boot als Sondermüll entsorgen müssen. Also ließ Thébault sein Boot einfach dort, wo es ankerte. Nachdem die Kosten für den Hafenliegeplatz nicht mehr bezahlt wurden, kam es bereits 2017 zu einer ersten Versteigerung. Doch der Verkauf des ehemaligen Stolzes einer ganzen Generation von Seglern scheiterte. 2019 erfolgte dann der zweite Versuch. Diesmal meldeten sich Interessenten. Der niedrige Kaufpreis erstaunt auf den ersten Blick. Schließlich handelt es sich bei der Hydroptère um ein Boot, das im Laufe der Zeit bereits Millionen verschlungen hatte. Doch das hatte seine Gründe.

Der ehemals stolze Trimaran ist nur noch ein Wrack. In seinem Zustand musste man schon froh sein, dass das Boot nicht gleich im Hafen versunken ist. Im Laufe der letzten Jahre wurde das stolze Schiff von zahlreichen Ersatzteilpiraten geplündert. Diese montierten alles ab, was nicht niet- und nagelfest war. So ist nicht nur die gesamte Elektronik, sondern auch Teile der Ruderanlage, die Vorsegel, Blöcke, Winschen und die Kabel verschwunden, längst verkauft oder in andere Boote eingebaut worden. Im Inneren des Bootes befand sich eine ätzende Lösung aus Salzwasser, Öl und Diesel. Nur noch der Rumpf erinnerte an jene Hydroptère, die einst der Stolz ihres Besitzers war.

Vergessen in Hawaii
Vergessen in Hawaii

Gerettet von zwei Fans

Zwei Segel-Enthusiasten taten sich zusammen und kauften das legendäre Boot. Es handelte sich dabei um den Franzosen Gabriel Terrasse und den Amerikaner Chris Welsh. Terrasse hatte in der Vergangenheit sogar die Webseite für Alain Thébault betreut. Die beiden lernten sich erst am Abend der Auktion kennen und einigten sich auf ein gemeinsames Bieten. Dort erhielten sie den Zuschlag. Die Hydroptère wurde anschließend notdürftig repariert und nach Kalifornien in die Werft von Chris Welsh gebracht. Dort soll sie rund ein Jahr lang restauriert werden und anschließend ihren Weg zurück in die alte Heimat nach Frankreich antreten.